Betrachtet man mit etwas Abstand und einem guten Auge die Tendenzen der heutigen Zeit, so erkennt man schnell, wie wir Menschen uns immer mehr von uns selbst entfernen. Die Natürlichkeit geht zunehmend verloren und unterm Strich verlieren wir uns in Zeiten stetiger Entwicklung selbst mehr und mehr. Wir können kaum noch miteinander kommunizieren weil unsere Smartphones, Sozial Media und andere Medien uns dabei im Wege stehen. Wir verlernen zunehmend einen gesunden, wachsamen und neutralen Blick für das große Ganze zu behalten und daraus unsere Meinung zu bilden und Entscheidungen zu treffen. Man könnte es fast schon als ferngelenkt betiteln. Im Grunde entfernen wir uns kontinuierlich von uns und unserer eigenen Art.

zurück zum Ursprung

Es ist noch Natürlichkeit im Verhältnis zwischen Mensch und Hund zu finden, wir müssen sie nur erkennen, beachten und nutzen. Der weit verbreiteten Meinung, der Hund sei eine intelligente Art und ähnelt uns Menschen, kann man uneingeschränkt Recht geben. Allerdings neigt der Mensch dazu, sich von seinen innerartlichen Sichtweisen und Umgangsformen leiten zu lassen und diese gar über den Hund zu stülpen.

… es beginnt schon frühzeitig

Erfahrungsgemäß wird bereits ab dem ersten Tag seiner Geburt der Hund durch einen sehr intensiven Fokus auf ihm groß. Vermehrt wird dem Hund alles sich Aufzeigende explizit erklärt, gezeigt oder gänzlich abgenommen. Normalste Verknüpfungen, Denkweisen und eigene Erfahrungen auf dem Weg seines Lebens werden ihm durch falsches menschliches Verhalten verwehrt. Dadurch verkümmert oder verlernt der Hund seine natürlichen Sinne zu gebrauchen und danach zu leben. Der Mensch neigt oftmals dazu, für den Hund selbstverständliche Situationen zu etwas so Besonderen zu machen. Dadurch verunsichert der Mensch den Hund im Verarbeiten einer sich normal gezeigten Lage, die für ihn selbst verständlich war. Das ständige Bestätigen gemeisterter Situationen schürt in dem Hund eine ständige Erwartungshaltung die das klare, eigene Denken in neuen, folgenden Situationen zerstreut und dann der Hund nach Alternativen sucht, um sich seine Erwartung bestätigen zu lassen. Dadurch wird in Zukunft der Fokus auf den Menschen so gefördert, dass eigene Entscheidungen des Hundes in ihm verblassen. Die Fremdbestimmungen oder auch Fernlenkung über den Menschen übermannt am Ende jegliche Instinkte des Hundes, sodass es ihn dadurch in unnatürliche Verhaltensweisen bringen kann, die schlussendlich zu einem großen Ungleichgewicht führen.

„Wer verwöhnt, opfert Vertrauen.“

In der Theorie, halten wir den Hund für eine hochintelligente Art, in der Praxis sprechen wir ihm jegliches vernünftiges Verhalten und Denken ab. Die vermeintlich endlose Liste von Beschäftigungsmodelle, Hundesportarten und Erziehungsmethoden wirkt schon allein auf den Menschen irritierend und erdrückend. Es erscheint schon fast so, dass wir Menschen nicht mehr danach streben und leben, den Hund artgerecht an unserer Seite leben zu lassen, sondern in ihm einen Anspruch an eine Technologie sehen, welche immer schneller und weiter zu entwickeln ist. Wir begeistern uns daran, wie gut der Hund dieses umsetzt und lernt, vergessen dabei aber auch immer mehr, dass das Ergebnis vollkommen unnatürlich ist und es aus Sicht des Hundes keinen Sinn ergibt. Wenn der Mensch Dinge erlernen und umsetzen soll, die für ihn völlig sinnfrei sind, wird er auf die Dauer unzufrieden und unglücklich. Die daraus entstehende Frustration beginnt über Jahre hinweg unsere Gesundheit negativ zu beeinflussen. So ergeht es auch unseren Hunden!

Was sind die natürlichen Anlagen des Hundes?

Der Großteil der modernen Auslastungs- und Beschäftigungsmodelle fordern keine der natürlichen Anlagen des Hundes. Gemacht sind Hunde für das Suchen, für das Bewachen, für die Jagd und das Hüten. All das sind genetische Anlagen am Hund. Ein guter Leitsatz von einem mir beruflich sehr nahestehenden Kollegen ist: „Die Zufriedenheit und Gesundheit aller Hunde liegt in der sinnvollen Wahrnehmung ihres Seins“. So und nur so wird man den eigenen Hund gut und zufriedenstellend halten können. Dazu bedarf es immer einem guten Blick auf das Naturell des Hundes und auf seine Genetik. Der Mensch sollte dies bei der Haltung seines Hundes immer primär im Auge behalten und darüber seinen Hund führen.

Reiz- Reaktions- Maschine?

Auch beim Erlernen von, für den Menschen, wichtige Dinge im Alltag, fallen immer wieder die Worte: „dafür bekommt er jetzt aber ein Leckerlie, weil er das so gut gemacht hat“. Der Hund ist sozusagen zur Reiz- Reaktions- Maschine geworden. Für jede gute Tat, wird bezahlt? Würde ergo bedeuten, dass es für den Hund das Wichtigste ist, seinen immer präsenten Hunger zu stillen? Keine Frage, Futter ist eine der Wichtigsten Ressourcen für den Hund. Aber wird deswegen Futter in jedem erlebten Kontext verlangt und gewollt? Man kann daran zweifeln, dass ein Hund, der beispielsweise eine große Unsicherheit in irgendeiner alltäglichen Situation erlebt, dieses Problem über „Hunger stillen“ los wird. Ein Hund mit Unsicherheiten braucht einen sicheren Rahmen und einen vertrauensvollen Entscheidungsträger, der die Situation aufzeigt und managt. Ein Hund braucht grundlegend einen stabilen Partner, der das Leben des Hundes anleiten kann. Der Hund braucht einen Menschen, der Führungsqualitäten besitzt und immer beständig, vor allem emotional, im alltäglichen Leben ist. So verhält es sich auch bei Aggression, tatsächlicher Angst, übersteigerter Erregung oder anderen Verhaltensweisen oder Auffälligkeiten. Bei gutem Verhalten seitens des Hundes bedarf es keinem Futter, sondern aufrichtiger Anerkennung.

der Hund- ein Roboter??

Weiter geht es, dem intelligenten Begleiter Hund, seine Intelligenz über absolute Verhaltensvorgaben voll und ganz abzusprechen. Alles wird vom Menschen entschieden: „lauf langsam, lauf schnell, guck mich an, schau weg, geh schnuppern, jetzt hört damit auf, geh weg, komm her, …“ Tu dies, tu das, tu jenes. Und das zu 90% des Tages. Über solch eine „Führung“ werden Hunde von klein auf zur Dummheit und zur Unselbstständigkeit erzogen. Damit Intelligenz und ein fester Charakter wachsen kann, braucht es dafür ein gewisses Maß an eigenen Entscheidungen und Erfahrungen, ohne dem Zutun vom Menschen. Dazu gehört, den Hund auf eigene Lösungsstrategien kommen zu lassen. Es wird zu schnell vergessen, dass der Hund sehr wohl optimal lebensfähig ist- auch ohne uns. Das der Mensch Rahmungen schaffen muss, damit ein gemeinsames Leben harmonisch vonstatten gehen kann, ist unabdingbar. Aber wie mit allen Dingen im Leben, ist immer das Maß entscheidend.

wahre Intelligenz

Tatsächlich bedeutet für viele Menschen Intelligenz meist nur, dass der Hund eine Vielzahl an Kommandos in Perfektion und immer abrufbar vorzeigen kann. Jedoch ist Intelligenz viel mehr. Mit wirklich intelligenten Hunden, tut sich der Mensch nämlich meist schwer. Ein guter, intelligenter und anspruchsvoller Hund stellt einen großen Anspruch an sein Umfeld und fordert ein hohes Maß an Lebensqualität. Ihm ist die Stabilität des eigenen Menschen, des Alltages und des gesamten Lebens wichtig.

zurück zur Natürlichkeit

Zusammenfassend liegt das Problem darin, dass wir den Bezug zur Natürlichkeit gegenüber uns und auch gegenüber unseren Hunden verlieren. Wir betrachten den Hund kaum noch als das, was er ist. Wenn der Mensch es schafft, den Hund wieder in all seinen innerartlichen Eigenschaften zu betrachten und dies auch gut zu finden, nur dann kann der Hund ein zufriedenstellendes und gutes Leben bei uns führen. Dieser Beitrag soll im Grunde zum Nachdenken anregen. Ich verurteile niemanden für sein Denken oder Handeln. Ich möchte einzig und allein auf grundlegende, bestehende Tatsachen hinweisen und versuche, die Sicht auf den Hund ein stückweit klarer für den Menschen zu machen.

Der Hund optimal lebensfähig- auch ohne uns!