Welpenzeit – schöne Zeit

Dein Welpe zieht ein

Nun ist es soweit. Du hast dich, nach langen Überlegungen, entschieden einen Welpen bei dir aufzunehmen. Dann ist der große Tag gekommen- dein Welpe zieht ein und setzt die erste Pfote über deine Türschwelle. Jetzt beginnt eine aufregende Zeit für euch beide. Eine Zeit voller schöner aber sicher auch manchmal anstrengender Momente. Um von Anfang an Klarheit für deinen kleinen Hund zu schaffen, solltest du dir ein stabiles Grundwissen zum Lernverhalten des Hundes, zur Aufzucht, zur Gesundheit, zur Ernährung und zur Entwicklung aneignen.

Ein weißes Blatt Papier

Stell dir vor, du hast mit diesem kleinen Hund ein weißes, unbeschriebenes Blatt Papier dass du mit all dem was dir wichtig ist beschreiben kannst. Dein Hund lernt von Tag 1 an, bis ans Ende seines Lebens. Alles was du ihm lehrst und zeigst wird zu seiner Wahrheit werden. Umso wichtiger ist es, dass du einen genauen Plan und genaue Vorstellungen davon hast, wie euer gemeinsames Zusammenleben in der Zukunft aussehen soll. Diese Vorstellungen können von Mensch zu Mensch und auch von Hund zu Hund unterschiedlich sein. Der eine möchte gern einen sehr frei lebenden Hund an seiner Seite haben, der nicht viel müssen muss. Der andere will gern einen Hund der ihn überall hin und entspannt begleiten kann. Und wieder der Nächste möchte mit seinem Hund vorwiegend arbeiten und legt keinen Wert auf alltägliche Harmonie. Deswegen ist es so wichtig, dass du dir klar wirst was genau du von deinem Hund erwartest und genau das solltest du ihm vom ersten Tag an auch vermitteln.

Auslastung ist wichtig- Oder doch nicht ?

Leider erlebe ich immer häufiger, dass der kleine Welpe, den man auch gut und gern mit einem kleinen Baby vergleichen kann, viel zu viel „ausgelastet“ wird. Sehr oft fallen Sätze wie: „der muss doch beschäftigt werden“, „der muss rennen und ausgelastet werden“, und so weiter und sofort. Bei solchen Aussagen wird es mir immer ganz mulmig. Zum einen, wie schon oben erwähnt, ist das ein kleiner Welpe, ein Baby, welches seine neue Welt und die damit verbundenen, zahlreichen Eindrücke erst einmal kennen und verarbeiten lernen muss. Damit hat er sehr gut zu tun. Jedes fahrende Auto, jedes wehende Blatt, jeder neue Mensch, jeder neue Untergrund auf dem er sich bewegt, muss kennengelernt werden. Dazu kommt, dass Knochen und Gelenke noch nicht stabil und endgültig entwickelt sind. Was passiert also mit deinem Welpen wenn du mit ihm ein, zwei, drei Stunden am Stück unterwegs bist? Gelenke, Sehnen, Bänder werden überbelastet. Daraus kann im schlimmsten Falle Arthrose oder andere Gelenksveränderungen/ Erkrankungen entstehen. Des Weiteren ist bei solch einer Überbelastung nicht nur der Körper, sondern auch der Geist des Welpen völlig überfordert.

Was braucht dein Welpe wirklich?

Was dein Welpe wirklich braucht, ist eine sinnvolle Beschäftigung und Auslastung in angemessenen Zeitabständen/ Dauer (als Empfehlung bis mindestens zum 1. Jahr gilt 5 Minuten pro Lebensmonat am Stück) und vor allem RUHE (mindestens 18-20 Stunden täglich). Diese Ruhe benötigt dein Hund um gesammelte Eindrücke und Erfahrungen des Tages zu verarbeiten. Je weniger er dazu Gelegenheit hat, desto schlechter kann er den Tag verarbeiten und einordnen. Im Übrigen wird darunter auch, auf die Dauer der Zeit, seine Lernfähigkeit leiden und nicht nur das… Du bastelst dir über dieses Modell auch einen Hund der nicht zu Ruhe kommen kann und perspektivisch völlig überdreht und unentspannt sein wird. Später sagt man dann „der ist hyperaktiv“. Sinn macht das für keinen- weder für dich als Mensch, noch für deinen Hund.

Die ersten wichtigen Wochen

Auf was du in den ersten Wochen und Monaten wirklich Wert legen solltest ist eine sinnvolle und dem Alter des Hundes angepasste Auslastung. Zeige deinem Hund die Welt. Vermittle ihm deine Struktur und was du von ihm möchtest. Schaffe gemeinsame, positive Erlebnisse und sorge dafür dass er genug Ruhe bekommt. Du bist für diesen kleinen Welpen verantwortlich und alles was du ihm jetzt, in der prägendsten Phase seines Lebens, lehrst und vermittelst erspart dir später viel Ärger und unnötige Umerziehungsmaßnahmen.

Auf in die Welpenspielstunde

Unter all diesen Gesichtspunkten muss man schlussendlich auch die Sinnhaftigkeit einer Welpenspielstunde oder Junghundespielstunde in Frage stellen. Was zeige ich eigentlich meinem Hund bei solch einem Erlebnis? Ebenfalls gängiges Gedankengut: „der Hund muss frühzeitig sozialisiert werden.“ „der Hund muss doch mal mit Gleichaltrigen spielen“, „der Hund muss sich mal auspowern“.

Nehmen wir doch mal kurz auseinander was der übliche Ablauf einer Welpenstunde ist. Angefangen mit wildem aussteigen aus dem Auto und stetiges zerren an der Leine bis zum Hundeplatz. Weiter geht es mit, nach wie vor, gespannter Leine am (eigentlich noch zarten, empfindlichen) Welpenhals. Was passiert dann? Nach diesem turbulenten Gang zum Hundeplatz werden nun endlich die Hunde „erlöst“. Dann heißt es: LEINEN LOS! Der Hund hat bis hierhin also schon gelernt, je mehr Zug auf der Leine, desto schneller komme ich zu meinem Ziel. Jetzt, wo alle Leinen los sind, rennt dein Hund in hoher Energie mit anderen Hunden über eine abgesicherte Wiese. Was soll ein Welpe oder ein Junghund aus dieser Erfahrung mitnehmen? Er wird diesen hohen Erregungszustand mit anderen Hunden in Verbindung bringen. Für ihn werden Artgenossen mit Aufregung, Spannung und hoher Energie verknüpft sein. Es liegt ganz allein bei dir als Halter, ob das gewünscht ist.

Was macht wirklich Sinn

Für einen Hund, egal welchen Alters, machen kontrollierte und strukturierte Begegnungen und gemeinsame Zeit mit immer gleichen Hunden Sinn, mit Hundekumpels die deinem Hund bekannt sind. Für dich als Mensch sollte die Beziehung, Bindung und die gemeinsame Zeit mit deinem Hund im Vordergrund stehen. Die Welpenzeit ist die wunderbarste und wichtigste Zeit im Leben deines Hundes. Nutze sie und erschaffe dir eine feste Basis zwischen dir und deinem neuen Wegbegleiter. Ich wünsche dir auf diesem Weg viel Erfolg und viele schöne Momente.

 

Nicole Hertel

…damit Mensch und Hund sich verstehen.

 

2018-01-22T22:55:38+00:00By |