Mit diesem Beitrag möchte ich dich gern ein Stück mit in die Vergangenheit nehmen und dir erzählen, wie und warum ich zum Berater für Menschen und ihre Hunde geworden bin.

Wie alles begann

Meine Geschichte beginnt im Kindesalter. Klar?  Meine Liebe und meine Leidenschaft galt schon immer den Tieren. Mit 8 Jahre begann ich in einem Voltigierverein das Turnen auf Pferden zu lernen. Das Schöne an diesem Sport war, dass man dem Pferd sehr nahe war. Man musste mit dem Tier verschmelzen, sich einander achten und sich aufeinander einlassen, um zusammen glänzen zu können. Das waren tolle 5 Jahre in denen ich erste, bedeutende Erfahrungen im Umgang mit Pferden sammeln konnte.

Kurze Zeit später bekam ich die Möglichkeit, mich künftig um ein Pferd zu kümmern, welchem sich keiner mehr recht annehmen wollte. Susi, deutsches Reitpony- Isländer- Mix. Eine brodelnde Mischung auf vier Hufen. Susi hatte ziemlich viele schlechte Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt und dazu kam ihr starker Charakter, der es echt in sich hatte. Doch ich liebte die Herausforderung. Schon immer. Susi hatte Charakter, war nie wie die anderen, war immer rebellisch und doch so liebevoll und lernwillig. Sie war ein sehr besonderes Tier, welches mir noch heute immer mal wieder im Kopf herumschwirrt. Ich glaube, bei ihr entwickelte sich mein starker Ehrgeiz, niemals die Flinte ins Korn zu werfen, ganz gleich wie schwer es mit diesem Tier war. Der Mensch ist meist engagiert und fröhlich bei der Sache, solang es leicht und ohne bzw. wenig Müh ist- eben wenn es funktioniert und vorzeigbar ist. Natürlich ist das toll. Doch sich richtig hart etwas zu erarbeiten- mit Blut, Schweiß und Tränen bei der Sache zu sein- das ist grandios.

Dabei kommen mir immer wieder diese Zeilen in den Kopf:

„Da wo sie scheitern, musst du angreifen
In einen höheren Gang schalten
Und auch wenn der Rest dann aufgibt, heißt es festbeißen
Dran bleiben, anspannen und standhalten
Glück nicht verwechseln mit Können
Aber dein Können niemals anzweifeln
Nie genug, aber auch nie zu große Ziele
Mach die Luft in deiner Lunge zu Benzin für die Maschine
Den Neid von so vielen zu Öl für das Getriebe
Neuer Tag, neues Glück, neue Regeln, neue Spieler
Hochfliegen heißt fallen in die Tiefe
Doch ohne große Opfer gibt es keine großen Siege
Wir hören kein Nein, kein das geht nicht, kein der Weg ist zu weit
Denn nur mit Blut, Schweiß und Tränen
Bezahlt man die Unendlichkeit
Und noch einen anderen Weg kenn ich keinen
Und selbst wenn, schätzt man erst den Wert, zahlt man auch den echten Preis
Du sagst, du kannst nicht, dann willst du nicht ganz einfach
Talent ist nur Übung und Übung macht den Meister

Erfolg ist kein Glück
Sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen
Das Leben zahlt alles mal zurück
Es kommt nur ganz darauf an, was du bist
Schatten oder Licht
Erfolg ist kein Glück
Sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen
Das Leben zahlt alles mal zurück
Es kommt nur ganz darauf an, was du bist
Schatten oder Licht“

Interpret: Kontra K

Song: Erfolg ist kein Glück

Quelle: Youtube  https://www.youtube.com/watch?v=Acgy-3d4P6o Stand: 5.01.2020

Das Geschenk

Es war eine lehrreiche Zeit, die mich sehr geprägt hat. Später, als Susi nicht mehr war, verlor ich die Reiterei etwas aus den Augen. Denn es stolperte plötzlich ein kleines Labradormädchen in mein Leben. Diese zarte Seele war ein so großes Geschenk und brachte mir viel Einklang und Harmonie in mein Leben mit Hund. Jule, so hieß das kleine Lappimädchen, war genau das, was sich wohl jeder Mensch wünscht. Ein unkomplizierter, freundlicher und herzensguter Hund wie er im Buche steht. Mit ihr bin ich durch dick und dünn gegangen. Jule begleitete mich durch meine späte Kindheit und meine komplette Jugend. Immer und überall hatte ich sie dabei. Wir waren eine Einheit. Durch sie erfuhr ich sehr viel Ausgeglichenheit, Zusammenhalt, Entspannung und viele, viele tolle Momente. Jule war viele Jahre mein Pflegehund. Als sie ca. 5 Jahre alt war, trennten sich unsere Wege. Einige Jahre später- ich wurde erwachsen, fand mich im klassischen Lebens/-Arbeitsmodell ein und dennoch wuchs in mir immer mehr das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich beschloss, dass ich mein Leben weiterhin den Tieren widmen will. Dafür schlägt mein Herz und dafür brennt meine Leidenschaft. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so sein.

Die Herausforderung

Und so zog vor 4 Jahren mein Hund Paula ein. Paula ist ein kleines, freches Mischlingsmädchen, welches mir die letzten Jahre sehr turbulent gestaltet hat. Im Grunde habe ich mir schon einen Hund gewünscht, der ähnlich souverän, liebevoll und entspannt ist, wie meine Jule damals. Mein Plan war, dass ich einen unkomplizierten Hund bekomme, der mich auf Schritt und Tritt begleiten wird.

Ja- und dann kam Paula.

Sie war klein, murmelig, grau und hatte es faustdick hinter ihren riesigen Dumbo-Ohren. Paula nahm mir all meine süß ausgemalten Vorstellungen und machte mir erstmal einen fetten Strich durch die Rechnung. Kurz um: Paula war all jenes, was ich nicht wollte. Später stellte sich heraus, dass es genau das war, was ich brauchte. Aber dazu später mehr. Frühzeitig suchte ich mir Hilfe bei einem Hundetrainer. Wir haben sehr viel Zeit zusammen verbracht, er ließ mich an seinem Wissen teilhaben und ich habe so einiges gelernt. Warum ich mich heute beruflich mit Hunden und Menschen beschäftige ist, denke ich, eine gleichteilige Mischung aus meiner großen Leidenschaft für Hunde, diesem besagten Hund Paula, einem großen Willen, dem nötigen Talent, Ehrgeiz sowie der Unterstützung meines damaligen Ausbilders und späteren Kollegen. Fortan widmete ich mein Leben den Hunden. Ich genoss eine umfangreiche Lehrzeit in verschiedensten Bereichen. Ich lernte viel über den Hund als soziales Lebewesen, über meinen eigenen Hund und über mich. Dieser Prozess war unheimlich intensiv.

Der besondere Hund

Paula ist in meinen Augen ein ganz besonderer Hund. Wie definiere ich „besonders“? Nun- besonders ist nach meiner Interpretation immer etwas, was nicht so ist wie die breite Masse. Etwas, was auffallend, außerhalb der Norm ist. Paula ist ein Hund mit starkem Willen. Sie war schon immer 100% bei ihrer Sache, welche auch immer es in den jeweiligen Momenten war. Sie wies so einige Verhaltensweisen auf, die ich immer dachte, unterbinden und ihr austreiben zu müssen. Fast wie der Exorzist dem Besessen den Teufel austreiben will. Zu Anfang hatte ich immer noch meinen starren Plan eines perfekten Hundes im Kopf. Hier kannst du nochmal einige Gedanken zum Thema “der perfekter Hund” lesen: https://www.nicole-hertel.de/der-perfekte-hund/

Die Jahre vergingen und zwischen den tiefsten Tiefen und den höchsten Höhen veränderte ich mein Denken und meine Pläne. Dies war ein langer, steiniger Weg bestehend aus einer großen Horizonterweiterung, sehr viel Selbsterkenntnis, Selbstreflektion, fachlicher Entwicklung und Humor. Der Humor war eine wichtige Komponente. Sicher fragst du dich, was Humor mit dem Leben eines Hundes zu tun hat. Nun, ich war immer sehr verbissen meinen ursprünglichen Plan so schnell wie es nur geht zu erreichen. Ich wollte endlich diesen fehlerfreien, vorzeigbaren Hund, der in die Gesellschaft passt. Und egal wie ich es drehte und wandte, ich bekam nicht was ich wollte. Das macht logischerweise auf die Dauer der Zeit missmutig. Mit dem Wandel meines Denkens und meiner Einstellung sah ich so viele Sachen eben einfach lockerer. Ein kleines Beispiel: Wenn Paula mal wieder einen schlechten Tag hatte und sich bei der Begrüßung eines für sie bekannten Menschen gebärdete wie ein Rumpelstilzchen, dann ärgerte es mich kaum noch. Viel mehr musste ich mich darüber amüsieren, denn es war so unheimlich albern und sinnlos was sie da tat. Ich erlangte über die Dauer der Zeit eine angemessene Leichtigkeit, die uns beiden half, diesen unnötigen Leistungsdruck rauszunehmen und in aller Ruhe wachsen zu können.

Mein Hund war immer mein größter Lehrmeister. Sie zeigte mir stets, wann ich kläglich daneben lag mit dem, was ich da vorhatte und machte mir unmissverständlich klar, was geht und was nicht. Deswegen bin ich heute wahnsinnig dankbar für Paula. Sie ist so herrlich unperfekt. Sie hat mich durch ihr besonderes Wesen “gezwungen” mich zu entwickeln und über den Tellerrand zu schauen. Ich habe gelernt mich zu fokussieren, mich zu kontrollieren, meine Emotionen zu bestimmen. Ich habe gelernt, dass auf eine Aktion auch immer eine Reaktion folgt. Ich habe gelernt, klar zu kommunizieren. Ich habe gelernt, welche Stärke meine Mimik und Gestik und meine gesamte Körpersprache haben kann. Ich habe gelernt, dass meine Einstellung und meine Sichtweise zu den Dingen so elementar und maßgeblich für mein Inneres ist. All jenes, war Voraussetzung, das Paula und ich einander verstehen.

Das bin ich

Das alles in der Gesamtheit versuche ich heute meinen Kunden nahe zu bringen. Eine erfolgreiche Beziehung zum eigenen Hund erlangt man durch die Reflektion des eigenen Verhaltens und wie dieses auf den Hund wirkt. Es steht außer Frage, dass wir über unsere Hunde ausreichend Bescheid wissen müssen- Lernverhalten, Sozialverhalten, Konditionierung, Entwicklung, Ernährung, Ursprung, usw. Doch am Ende sind wir zwei soziale Lebewesen, zwei Individuen, die zusammenleben wollen/ müssen.

Ab Anfang 2018 ging ich dann meinen ganz eigenen Weg. Ab diesem Zeitpunkt wurde nochmal einiges anders. Ich schaute mir die Arbeit einiger Kollegen an, bekam einen großen Einblick in das Diensthundewesen und lernte auf diesem Wege sehr viele, kompetente Menschen kennen. Ich beschäftigte mich intensiver denn je mit dem Thema „auffällige“ Hunde und bekam nochmal eine andere Sicht auf den Hund und auf dessen Individualität. Dies brachte mich folgendem Gedanken wieder ein Stück näher: Es gibt nicht den einen Weg oder die eine Herangehensweise. Für diese Entwicklung bin ich sehr dankbar. Das zeigt, wie wertvoll es ist, sich selbst zu entwickeln, die Fühler auszustrecken und seinen eigenen, unabhängigen Weg zu gehen.

All diese Erfahrungen, all diese Entwicklungsprozesse, die ich selbst durchlaufen bin, und all jenes was ich gelernt habe, möchte ich mit dir teilen und dir bei deinem persönlichen Entwicklungsprozess helfen. Ich weiß wie es ist, wenn es mal schwer ist. Doch ich weiß auch, dass es sich immer lohnt dran zu bleiben und wie wertvoll so eine tiefe Verbindung zu deinem Hund sein kann. Es gibt auf dieser Welt eben nicht nur die kleinen, braven Lämmchen die nach 5 Minuten „Training“ spuren wie ein Zinnsoldat. Es gibt auch die „Brecher“, die Hunde mit beschissenen Erfahrungen oder einfach Hunde mit einem stahlharten Dickschäden oder festen, unerschütterlichen Willen. Und diese Hunde haben es genauso verdient, dass wir uns ihnen annehmen und alles für sie geben. Egal wie gesellschaftlich inkompatibel und manchmal echt asozial sie sich benehmen. Oder?

Viele Grüße, deine Nicole& Paula